Vico Magistretti: Ein Italiener in England

Vico Magistretti: Ein Italiener in England

Was machte einer der Gründerväter italienischen Designs in England? Die Mailänder Ausstellung „Il Magistretti inglese“ gibt die Antwort.

Vico Magistretti (1920-2006) hat Spuren in der italienischen Design-Geschichte hinterlassen wie kaum ein Zweiter. Der Industriedesigner, Architekt und Städteplaner arbeitete für Cassina, DePadova und Kartell, er schuf ikonische Leuchten für Artemide und Oluce. Viele seiner Entwürfe wie das Wand- und Deckenlicht „Teti“ (1970) oder das „Maralunga“-Sofa (1973) sind heute noch in Produktion.

Magistretti, der Carimate-Stuhl und die Folgen

Zu den Ersten, die sein Werk auch außerhalb Italiens zu schätzen wussten, zählten die Briten. Terence Conran, Gründer der Möbelfirma Habitat, entdeckte 1962 während eines Aufenthalts in Bologna den Stuhl „Carimate“. Magistretti hatte den roten Holzsessel mit Sitz aus Stroh wenige Jahre zuvor für einen Golfclub bei Como entworfen und Conran war so begeistert davon, dass er die Lizenz für Großbritannien erwarb. Das Möbelstück wurde ein Riesen-Erfolg auf der Insel und zum viel fotografierten Sinnbild der „Swinging Sixties“ in London.

Der Grundstein einer „Liebesgeschichte“ war gelegt, wie die Fondazione Vico Magistretti das Verhältnis des Meisters zu England nennt. Die Stiftung, die seit 2010 das künstlerische Erbe Magistrettis verwaltet, eröffnet am 11. April 2024 in Mailand eine Ausstellung zum Thema. „Il Magistretti inglese“ (auf Deutsch: Der englische Magistretti) widmet sich der Beziehung zum Vereinigten Königreich.

„Il Magistretti Inglese“ – bis Februar 2025 in Mailand

Es geht um Projekte und Produkte, um Kooperationen und Auszeichnungen bis hin zu Erinnerungen von Studenten am Royal College of Art in London, wo Magistretti ab 1979 eine Gastprofessur hatte. Die Ausstellung zeigt aber auch, wie das Land den Designer beeinflusste, etwa in Projekten, bei denen britische Formen und Materialien zum Einsatz kamen. Der „Caori“-Couchtisch mit integrierten Schallplatten-Fächern für Gavina (1969) und das „Raffles“-Sofa von DePadova (1988) mit seinen gedrechselten Holzfüßen sind typische Beispiele für diese Wechselwirkung.

Der Designer selbst drückte es 1993 so aus: „Ich fühle mich aus verschiedenen Gründen mit der englischen Tradition verbunden. Die englische Kultur bietet überraschende Gegenüberstellungen und Bedeutungsumkehrungen. In der britischen Tradition sind der Sinn für das Notwendige und die Liebe zur Realität miteinander verwoben. Und manchmal genügt es, ein kleines Element der Realität zu verändern, um ein Objekt von hoher formaler Qualität zu schaffen.“

 

Entwurf des Cocktail-Tellers „Ping Pong“ für John Cook, London, 1987; Vico Magistretti
Entwurf des Cocktail-Tellers „Ping Pong“ für John Cook, London, 1987; Vico Magistretti
 Grundriss des Restaurants „Villa Bianca“ in Hampstead, 1984; Vico Magistretti
Grundriss des Restaurants „Villa Bianca“ in Hampstead, 1984; Vico Magistretti
Skizze für ein Wohnhaus in London, 1992; Vico Magistretti
Skizze für ein Wohnhaus in London, 1992; Vico Magistretti

vicomagistretti.it