Pino Pascali – entwaffnende Kunst

Pino Pascali – entwaffnende Kunst

Jetzt schon vormerken für die Möbelmesse Mailand: Die Fondazione Prada zeigt ab 28. März eine große Retrospektive des italienischen Künstlers Pino Pascali.

Pino Pascali starb 1968 bei einem Motorradunfall. Die Kunst des damals 32-jährigen Italieners fasziniert bis heute, weshalb ihm die Fondazione Prada eine umfangreiche Retrospektive widmet. Vom 28. März bis zum 23. September 2024 zeigt das Mailänder Kulturzentrum eine Ausstellung mit 49 seiner Werke, zusammengetragen aus italienischen und internationalen Museen sowie privaten Sammlungen.

Der britische Kurator Mark Godfrey hat sie mit Arbeiten von Künstlerkollegen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ergänzt und ihnen Fotografien sowie Filmaufnahmen zur Seite gestellt, die Pascali mit seinen Schöpfungen zeigen. Darunter auch eine Aufnahme, die kurz vor seinem Tod für das Männermode-Magazin „L’Uomo Vogue“ entstand.

Panzer und Waffen, die nicht töten können

Damals wie heute aktuell: seine Skulpturenserie „Armi“ (Waffen) von 1966. Pino Pascali stellte ein ganzes Arsenal aus Panzer-Repliken, Maschinengewehren, Bomben und Kanonen her, welches er olivgrün anstrich. Als Vertreter der „Arte povera“ (italienisch für „arme Kunst“) recycelte er dafür Dinge des alltäglichen Gebrauchs wie Autoteile eines Fiat 500, Holz, Plastik und Gummibänder.

Das überdimensionale Kriegsspielzeug kann zwar selbst keinen Schaden anrichten, stellt aber die jahrhundertealte Praxis infrage, schon kleine Kinder mit gewalttätigen Themen zu konfrontieren. In der heutigen Diskussion um die Verteidigungsfähigkeit Europas bekommt dieser Teil von Pino Pascalis Werk einen weiteren, höchst aktuellen Kontext.

Materialien der Arte povera

Im Laufe der Ausstellung passieren Besucherinnen und Besucher verschiedene Bereiche, die den Materialien gewidmet sind, aus denen Pascalis Kunst besteht: Autoblech, Erde, Eternit, Farbe, Kunstfell, Leinwand, Schaumgummi, Stahlwolle, Heu und Reisig. Schlüsselwerke wie „Sinking Boat“ (1966), „Ploughed Fields and Irrigation Ditches“ (1967), „Tanned Leather“ (1968) oder „The Arch of Ulysses“ (1968) werden von Zeitschriften und Katalogen aus den 1960er-Jahren flankiert. In eigens für die Ausstellung gedrehten Videos ordnen Restauratoren die Eigenschaften und konservatorischen Aspekte dieser Stoffe ein, mit denen der Künstler im Laufe seiner Karriere experimentierte.

Ein illustrierter Katalog begleitet das Projekt. Er enthält die Einführung von Miuccia Prada, Präsidentin und Direktorin der Fondazione Prada, einen Essay des Kurators Mark Godfrey sowie Texte von internationalen Autoren, Kunsthistorikern und Experten; außerdem Nachdrucke von Interviews und Essays namhafter Kunstkritiker. Einen Abstecher nach Mailand kann er trotzdem nicht ganz ersetzen. Schon wegen ihrer sehenswerten Architektur ist die Fondazione Prada den Besuch wert.

Pino Pascali im Studio mit „Trappola“, 1968, Foto: Andrea Taverna. Courtesy Fabio Sargentini - Archivio L'Attico
Pino Pascali im Studio mit „Trappola“, 1968, Foto: Andrea Taverna. Courtesy Fabio Sargentini – Archivio L’Attico
„Solitario“, 1968, in Fondazione Prada (2015). Foto: Attilio Maranzano.
„Solitario“, 1968, in Fondazione Prada (2015). Foto: Attilio Maranzano.
Pino Pascali mit „Cannone Bella Ciao“, 1965, im Studio des Künstlers in Rom. Foto: Claudio Abate
Pino Pascali mit „Cannone Bella Ciao“, 1965, im Studio des Künstlers in Rom. Foto: Claudio Abate
„Pelo“, 1968, in der Fondazione Prada (2018). Foto: Delfino Sisto Legnani und Marco Cappelletti.
„Pelo“, 1968, in der Fondazione Prada (2018). Foto: Delfino Sisto Legnani und Marco Cappelletti.

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