Bei dieser extravaganten Gepäckauswahl werden Sie es kaum erwarten können, Ihre sieben Sachen zu schnappen und darin zu verstauen. Die passende Destination liefern wir Ihnen direkt mit.

 

HIDEAWAY mit Bildungscharakter

Foto: Mark Cross

Dass die Italiener stolz auf ihre Designgeschichte sind, ist keine wirkliche Neuigkeit. Das Hotel „Le Sirenuse“ in Positano allerdings verknüpft das Erbe italienischer Handwerkstraditionen mit seiner eigenen Historie. „Hinter jeder Kachel, die man hier sieht, jedem Blumentopf oder Cocktailbecher, jedem Stuckgesims, jeder Marmor- oder Onyxplatte steckt eine Story. Unsere Familie hat es von jeher geschätzt mit Künstlern zu arbeiten, die allesamt leidenschaftliche, zeitgenössische Interpreten uralter lokaler Traditionen sind“, schwärmt Antonio Sersale, Miteigentümer des Luxushotels in Positano, dessen Vorfahren Le Sirenuse 1951 gründeten. Eigens für diese inspirierenden Kooperationen wurde 2015 das Programm „Artists at Le Sirenuse“ ins Leben gerufen. „Mein Vater Franco war leidenschaftlicher Kunst- und Antiquitätensammler – ein Reisender, Fotograf und ein Ästhet mit unfehlbarem Geschmack. Dieses Programm beruht auf seinem Vermächtnis.“ Seither wird jedes Jahr ein Künstler dazu eingeladen, einen Beitrag zur üppigen Designvielfalt des Hotels zu leisten. Bisher verewigten sich Rita Ackermann, Caragh Thuring, Matt Connors, Alex Israel, Stanley Whitney und Martin Creed. Im Laufe der Jahre avancierte Le Sirenuse zu einer Lifestyle-Ikone und bewahrte sich gleichzeitig die intime, familiäre Atmosphäre eines luxuriösen Boutique-Hotels. Pünktlich zum 70. Geburtstag in diesem Jahr wurde das Nobelhaus mit seinen geschmackvollen 58 Suiten von Grund auf aufgehübscht. Eines dieser Unternehmen, das regelmäßig an den Renovierungsarbeiten des Hotels beteiligt ist, ist die Keramikmanufaktur Fornace De Martino. „Das Unternehmen ist seit mehr als fünf Jahrhunderten im Familienbesitz, dokumentiert durch einen Vertrag aus dem Jahr 1479, in dem ein gewisser Carlo De Martino versprach, tausend Dachziegel an die Villa Rufolo in Ravello zu liefern“, erzählt Sersale.
Auf eine jahrhundertelange Designtradition kann auch das Taschenlabel Mark Cross zurückblicken. Das Unternehmen wurde 1845 in Boston von Henry W. Cross gegründet, der es liebevoll nach seinem einzigen Sohn benannte. Mark Cross wurde schnell zum Inbegriff für amerikanischen Luxus und Lifestyle. Die „Henry Sports Duffle“-Bag eignet sich hervorragend für einen Kurztrip nach Positano – eigentlich „for men“, aber da drücken die Damen gerne ein Auge zu.

Foto: Brechenmacher & Baumann

 

 

BITTERSWEET SYMPHONY in Südchina

Foto: Louis Vuitton

Alleine das außergewöhnliche Panorama dieses spektakulären Architekturjuwels im südchinesischen Guilin ist eine Reise wert – dort, wo sich der Li Jiang malerisch seinen Weg durch die Karstberge bahnt. Auf dem Gelände einer ehemaligen Zuckermühle aus den Sixties gestalteten die Profis von „Vector Architects“ 2016 mit dem „Alila Yangshuo“-Hotel ein Luxus-Resort, das scheinbar mühelos die damalige Industriedesign-Ästhetik mit modernen Elementen kombiniert. „Statt einfach die alte Textur zu kopieren, haben wir neue Materialien verwendet, während wir die Farbgebung und Mauerwerkstruktur sowie das industrielle Fachwerk des Bestandes beibehalten haben. Betonhohlblocksteine und Ortbeton dienen dazu, die neuen Volumina optisch leichter und transparenter zu machen und gleichzeitig die natürliche Beleuchtung und Belüftung zu verbessern“, erklärt Dong Gong, Architekt und Gründer des in Peking ansässigen Architekturbüros. Die weitläufige Anlage mit zahlreichen Gärten und in der Sonne schimmernden Pools fordert geradezu auf, das Areal zu erkunden. „Zwei Wege erschließen den Komplex: ein funktionales Korridorsystem und ein eher poetischer Pfad, der sich durch die Landschaft und die Gebäude schlängelt. Auf diesen Wegen begleitet die Gäste der Wechsel von Licht und Schatten, eine abwechslungsreiche Topographie und unterschiedliche Proportionen“, so der Architekt. Ein weiteres Thema, das Gong in den Entwurf einfließen ließ, ist das Spiel zwischen Vertikalität und horizontalen Linien: „Draußen bewegt man sich auf einer horizontalen Ebene, umringt von in den Himmel ragenden Bergen. Im Inneren des Hotels bestimmen linear angeordnete Räume auf unterschiedlichen Leveln den Entwurf.“ Vom opulenten Spa über internationale Restaurants, eine hauseigene Rumdestillerie bis hin zu den 117 luxriösen Zimmern werden die Gäste mit allem erdenklichen Luxus umgarnt. Apropos Luxus – damit sind wir direkt wieder beim passenden Reisegepäck: Das Traditionshaus Louis Vuitton startete seine Erfolgsgeschichte als Hersteller von Koffern und Reisezubehör. 1837 zog es den jungen Louis Vuitton mit 16 Jahren nach Paris, wo er bei „Monsieur Maréchal“ eine Lehre zum „malletier“ (dt. Kofferhersteller) absolvierte. Etwa 20 Jahre später eröffnete er sein erstes Geschäft – mit rasantem Erfolg. Die Koffer waren nicht nur schön, sie waren auch überaus praktisch: Sie wurden für die damals noch überwiegend mit dem Schiff getätigten Reisen aus wasserdichtem Material gefertigt. Auch das „Tumbler“-Schloss und das legendäre Schachbrettmuster „Damier“ stammen aus Louis Vuittons innovativer Feder – er entwickelte beides mit seinem Sohn Georges, der nach dem Tod des Vaters 1892 die Geschäfte übernahm. Vier Jahre später folgten das weltberühmte LV-Icon und die stilisierten Blüten – eigentlich entwickelt, um das Label vor Nachahmungen zu schützen. Sehr innovativ für die damalige Zeit, in der offensichtlich auch schon Plagiate im Umlauf waren. Als die Nachfrage nach großen Überseekoffern in den Fifties zurückging, sattelte das Unternehmen auf leichte, kleinere Taschen und Accessoires um, die aus vinylgetränktem Baumwollgewebe bestanden – dem heutigen Canvas. Chefdesigner, wie Marc Jacobs in den 2000er-Jahren und Virgil Abloh von 2018 und 2021, drückten dem Traditionshaus ihren eigenen Stempel auf, ohne dabei das traditionelle Erbe des Großmeisters aus den Augen zu verlieren. Wir schicken Sie mit diesem Sondermodell „Keepall 55 Waterproof“ auf Tour. „Wer die Kunst des Packens beherrscht, bringt in der geräumigen und handgepäckstauglichen »Keepall 55« problemlos die Garderobe für eine ganze Woche unter“ heißt es von seiten des Unternehmens. Challenge accepted.

Foto: Chen Hao

 

MORD IM ORIENT-EXPRESS Es gibt ein neues Motiv dafür: das Monogramm von Au Départ.

Foto: Au Départ

Vor fast einem Jahrhundert drehte eine weitere Luxusmarke am großen Rad: Au Départ, was übersetzt „Im Aufbruch“ heißt. Wir schreiben die Roaring Twenties. In Paris versuchen sich die Reisegepäckhersteller zu übertrumpfen: Hermès, Louis Vuitton, Goyard – und zum Symbol ultimativen Chics avancierte das „Damier“-Gewebe, über das die jeweiligen Marken ihr Monogramm zogen. Die Seiten der Koffer und Taschen erhielten auf Kundenwunsch zusätzlich eine Personalisierung. Die Initialen des jeweiligen Besitzers und knallige Farbstreifen, um sie unverwechselbar und einmalig zu machen. „Bei Au Départ besonders aufwendig. 1834 gegründet, hat das Haus eine lange Geschichte mit diesen wunderschönen Koffern. In den Zwanzigern machte Yann-Benard Dyl die Werbung dafür“, erzählt Gianfranco Maccarrone, der sich nach zwanzig Jahren CEO bei Dsquared nun der Herausforderung stellt, das ehrwürdige Label zu revitalisieren. Für seinen Auftraggeber, eine chinesische Investment-Gruppe, zu der auch das Pariser Hôtel de Crillon gehört, wäre es ein Leichtes, Au Départ nach vorne zu puschen. Aber das ist von Maccarone
gar nicht gewünscht, der die Marke „organisch“ entwickeln möchte. Seine Bedingung für den neuen Job. „Etwas, das mit Literatur, Kunst, Kultur und Sophistication verbunden ist.“ So startet der Mode-Experte, der die Kollektion in Italien entwickelt und fertigen lässt – „in Frankreich hätte mich das Jahre und Erklärungsarien gekostet“ – nicht etwa mit Taschen, sondern mit Koffern. „Eigentlich mit Schrankkoffern. Sie wurden nicht zur Mailänder Fashion Week, sondern zur Möbelmesse vorgestellt. Heutzutage sind sie Interior-Objekte“, erzählt Maccarrone, der für einen befreundeten Anwalt in L.A. gerade einen Wine-Trunk konzipieren lässt. Möbelstücke wie dieses begeisterten insgesamt 15.000 Besucher zur Mailänder Off-Veranstaltung in einem alten Kino, das der Markenentwickler sich mit seinen Freunden Emiliano Salci und Britt Moran, den Machern von Dimore-Studio, teilte. Spätestens hier wird klar, dass auf seiner Reise nichts dem Zufall überlassen bleibt. Inzwischen gibt es auch Taschen für sie und ihn, die derzeit nur online erhältlich sind. Dazu kommen sensationelle Shootings wie hier zum Thema Orient-Express und exklusive Kooperationen wie derzeit mit Harrods in London. Maccarrone schwärmt derweil weiter für seine Koffer. Für Ladies und Gentlemen gibt es sie zu Themen wie Whisky, Cognac, Champagner und Duft. Für Hipster auch mit Playstation und als DJ-Pult. „Ich liebe Partys. Ich reise um den ganzen Globus, um in Discos zu gehen“, so der Italiener, der eine entsprechende Anlage einem Freund mit Yacht verkaufte. Der Preis? 80.000 Euro. Der nächste „coup surprise“ ist schon in der Mache. Maccarrone hat sich schon den passenden Platz ausgesucht, und dieser liegt nicht im Hôtel de Crillon, sondern in feinster Lage in der Rue de Saint Honoré: ein erster Shop …

Foto: Reto Guntli

Text: Dr. Stephan Demmrich, Anke Gungl