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FOTOS: BARBARA CORSICO TEXT: SONJA LUKENDA

Nicht immer ziehen sie sich an. Wie im Falle der „Bushfield Residence“ in Dublin bedarf es manchmal einer gewissen Hilfestellung von außen, um eine adäquate Verbindung zwischen dem Gestern und dem Heute zu schaffen.

Wie gelingt es, einen eleganten viktorianischen Backsteinbau von 1913 würdevoll mit einem gänzlich konträr wirkenden Anbau aus Sperrholz zu verbinden? Geht nicht? Das gilt nicht. Zumindest nicht für die Mädels des Dubliner Interior Design Studios Kingston Lafferty Design – kurz: KLD.

Bushfield Residence ist das Zuhause eines jungen Paares mit Kind im Süden Dublins, zwischen den Vierteln Donnybrook und Ranelagh gelegen. Als die Kunst- und Musikfans das Studio mit der Umgestaltung ihres Hauses beauftragten, wohnten sie schon eine ganze Weile dort. Doch so recht konnten sie sich nicht einleben in ihrem Zuhause, das irgendwo zwischen Tradition und Moderne zu schweben schien. Heute kaum mehr vorstellbar, allein durch die von Kingston Lafferty eingesetzte Farbenpracht – vorwiegend Pastelltöne, denen mit schlammiger Note mehr Tiefe verliehen wurde. Noch vor wenigen Jahren dominierte weiße Wandfarbe dieses verspielte, schon beinahe spielzeugartig anmutende Interieur. Es wirkte kalt. „Dieses Haus war bereits überwältigend und voller Charakter, mit einer Mischung wunderschöner Merkmale aus der viktorianischen Zeit, wie etwa Bogenleisten in den Fluren und Treppenabsätzen, detaillierte Vouten und Nischen inmitten schön proportionierter Räume. All das stand in Kontrast zu einem neu gestalteten Anbau mit einer atemberaubenden, von Noji Architects gestalteten Küche und einem lichtdurchfluteten Essbereich“, erklärt Róisín Lafferty, Gründerin und Art Direktorin des Design Studios. Ja. Genau. Ursprünglich ein eher dunkler Wintergarten, der nach seinem Facelifting nicht mehr wiederzuerkennen war: hell, freundlich, sehr architektonisch. Und damit ein krasser Gegensatz zur klassischen Backstein-Architektur. Was fehlte, war eine Verbindung, die alt und neu zu einer Einheit verschmelzen lassen und den Räumen insgesamt mehr Seele und Atmosphäre verleihen sollte. Dafür griff KLD beim Innenausbau auf dreieckige Strukturen zurück und wiederholte sie im gesamten Haus. Mal als auffällige Details in den Tischlerelementen, mal zurück- haltender in Form von Fliesen. Damit erzeugte Lafferty eine durchgängige Formensprache. Obwohl viele unterschiedliche Materialien zum Einsatz kamen, hält die wiederholte Verwendung der simplen geometrischen Elemente das Ganze trotzdem relativ einfach. Das Paar wünschte sich außerdem mehr Stauraum. „Wir wollten jedoch, dass er sowohl funktional als auch ästhetisch ansprechend ist und jedem Raum mehr Tiefe verleiht.“ Das geschah vorwiegend mithilfe wunderschöner maßgefertigter Arbeiten der lokalen Tischlerei Moore O‘Gorman. „Es ist die erste Tischlerei, mit der ich vor zehn langen Jahren anfing zu arbeiten“, erzählt die Interior Designerin. Die Holzelemente wurden in unterschiedlichen Farben besprüht. Sie stammen von Farrow & Ball und aus Laffertys eigener „Vogue“-Kollektion, die sie während der Arbeiten an diesem Projekt für den irischen Farbfabrikanten Fleetwood Paints entwickelt hatte. Die Palette basiert auf subtilen Farbnuancen und gedämpften Tönen, die hier auch für die Wände genutzt wurden. Für die Schrank- und Schubladenelemente entwarf das Studio eigens ein geometrisches Muster, das mittels CNC-Technik auf sämtlichen Fronten eingefräst wurde. Als zweites Schlüsselelement dienen unterschiedlich getönte Fliesen. Sie fügen den Räumen eine weitere Schicht an Details, Einfassungen und Wiederholungen hinzu und wurden in der Küche, im Musikzimmer und im Wohnbereich aufgegriffen – im Kamin etwa in schönstem Waldgrün. Und natürlich in den Bädern, dort auch mal in hexagonaler Form. Wenn schon Geometriestunde, dann doch bitte so.

Wie nahmen ihre Kunden eigentlich derart viel Form-, Farb- und Detailreichtum auf? „Die beiden waren absolut offen und empfänglich für unsere Ideen und auch sehr mutig und risikofreudig, was das betraf. Wir konnten ihren Sinn für Abenteuer, ihre Aufgeschlossenheit und Kreativität spüren. Angefangen bei ihrer eigenen Kunstsammlung, über die Fotografien und besonderen Stücke, die sie im Laufe der Zeit gesammelt hatten, bis hin zu den Musikinstrumenten. Wir spürten, dass sie Spaß an den Ideen hatten und bereit waren, etwas Neues und Anderes auszuprobieren. Etwas, an das sie sich alleine nicht herangetraut hätten.“ Der Wunsch nach mehr Stauraum wurde erfüllt und die Räume so gestaltet, dass den Bewohnern heute verschiedene Bereiche zur Verfügung stehen, die wiederum für unterschiedliche Zwecke genutzt werden können. Auch ein entzückendes Kinderzimmer für ihre kleine Tochter (die damals noch nicht geboren war) ist hinzugekommen. Das Hauptschlafzimmer wurde neu gestaltet und deutlich aufgewertet. Dafür musste in der oberen Etage eine Wand sowie ein Treppenabsatz weichen. Zwei kleine Zimmer wurden zusammengelegt, Türen versetzt und die anderen Räume neu angeordnet. Was zunächst nach einer großen Sache klingt, hätte eigentlich nicht allzu aufwendig werden sollen. Wie es bei altem Gemäuer dann aber oft der Fall ist, erwies sich das Ganze ziemlich fix als deutlich komplexeres Projekt und kam mit so manch ungeplanter Überraschung daher. Lafferty weiß, wovon sie spricht. „Wenn man einmal anfängt, in historischen Gebäuden Wände einzureißen, dann wird es sehr schnell sehr chaotisch.“ Als problematisch stellte sich dabei vor allem das Fehlen rechter Winkel und gerader Wände heraus. „Perfekt eingefasste Holzarbeiten und geflieste Bögen zu erhalten, war eine Herausforderung, an der viele geduldige Handwerker beteiligt waren. Wir haben lan- ge und eng mit allen Beteiligten vor Ort zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass aufkommende Probleme sofort aufgegriffen und Details geklärt werden konnten.“ Die Mühe hat sich gelohnt! Heute erstrahlt die obere Etage und allem voran der neue Master Bedroom in sanften Pudertönen und atmet den Look eines hippen Boutique Hotels. Fragt man Lafferty nach dem ihrer Meinung nach am besten gelungenen Raum, so ist es dieses Schlafzimmer, das man durch einen goldenen Bogen betritt. Weil es Schönheit, Kunst und Funktionalität miteinander verbindet. „Obwohl es kein großer Raum ist, haben wir ihn anhand verschiedener Oberflächen, Nuancen und Möbel subtil unterteilt, um ein großzügiges Raumgefühl zu schaffen.“ Eindrucks- voller Blickfang darin ist – neben den Leuchten von Ponz Home

Design, Market Set und Made – das Betthaupt, das als eine Art Gesamtkunstwerk den Raum beherrscht, ohne vorherrschend zu sein, und das die komplette Rückwand bedeckt. Der darin untergebrachte Stauraum verschwindet wie durch Zauberhand. Auf der anderen Seite befindet sich ein Ankleidebereich, optisch separiert durch einen raumhohen Vorhang und durch eine eigene Farbgebung klar definiert.

Die gekonnt eingesetzte Farb- und Formensprache prägt dieses Haus. Sie ist weich, feminin, geschmeidig und verspielt, wirkt jedoch trotzdem reif und erwachsen. „Nichts an diesem Haus nimmt sich selbst zu ernst, es ist leichtherzig und gleichzeitig komplex und durchdacht“, so Lafferty, und ergänzt: „Es besteht kein Zweifel daran, dass, egal wie schlecht gelaunt Sie dieses Haus betreten, die sanften und harmonischen Töne Ihnen garantiert den Tag versüßen werden!“