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FOTOS: MONICA SPEZIA/ LIVING INSIDE

TEXT: FRANCESCA SIRONI/ SONJA LUKENDA

Dieser Palazzo hat über die Jahrhunderte vieles erlebt. Heute ist das Gebäude Residenz und Retreat für junge Kreative und Besucher gleichermaßen. Treten Sie ein in das Zuhause von Art Director Martino di Napoli Rampolla!

Wir befinden uns in der Via de Pandolfini 20, mitten in Florenz und in unmittelbarer Nähe zur Kathedrale Santa Maria del Fiore mit der imposanten Brunelleschi-Kuppel. Durch eine massive Eingangstür gelangen wir ins Innere des Palazzo Galli Tassi, ein majestätisches Renaissance-Gebäude aus dem Jahr 1510. Hier residierte einst so manche Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, und der prunkvolle Bau diente auch einem Gouverneur als Palast. Später beherbergte er das Wirtschaftsministerium und war eine Fabrik für Wunderwässerchen.

Heute leben hier Künstler auf Zeit, in einer Initiative des jungen Art Directors Martino di Napoli Rampolla. Aufgewachsen inmitten der pittoresken Hügel des Chianti, zog es ihn vom Land in die toskanische Hauptstadt. Die Familie – seit über einem halben Jahrhundert als Winzer tätig – hat ihre Basis noch immer dort. „Numeroventi“ ist Rampollas neuestes Projekt. Es steht für einen Mix aus interdisziplinärer Kreativität und GasTfreundschaft mit Künstlerresidenzen, Coworking-Spaces und einer Handvoll Airbnb-Lofts, in die sich auch Besucher einmieten können. Die Einnahmen daraus fließen in Kunstprojekte und das hauseigene „Artists in Residence“-Programm zur Förderung junger Künstler. Eine Art unabhängige Starthilfe.

„Ich zog nach Florenz, um an der Universität zu studieren. Zunächst mit dem Schwerpunkt auf Marketing und Kommunikation, dann Industriedesign. So kam ich in dieses architektonische Juwel im Besitz meiner Familie,“ so Rampolla. Das Objekt erstreckt sich über vier Stockwerke und war einst Sitz einer Firma, die sich der Herstellung des „Sciroppo Pagliano – Centerbe di Lunga Vita“, einem beliebten Blutreinigungsmittel nach Rezeptur des Apothekers Girolamo Pagliano widmete. Ein Vorfahr des jungen Kreativen. Bevor Rampolla jedoch seine Räume für die Öffentlichkeit zugänglich machen konnte, musste das Gebäude, das über 40 Jahre lang vermietet war, erst einmal aufwendig renoviert werden. „Ich begann mit den Räumen, in denen ich wohnen würde. Also vom Eingang aus über die Steintreppe und in den zweiten Stock“, erklärt Rampolla den Verlauf der Arbeiten. Es wurden keine großen Änderungen am Erscheinungsbild und am Grundriss vorgenommen. Um die sehr hohen Räume besser zu nutzen, wurden auch Galerien eingezogen: „Oben habe ich das Schlaf- und Badezimmer eingerichtet, während unten das Wohnzimmer und eine Küchennische sind. Die Renovierungsarbeiten dauerten anderthalb Jahre.“ Die Decken sind mit atemberaubend schönen Fresken verziert, große Fenster blicken auf eine Hauptstraße, die Ausstattung ist eher minimalistisch. „Um die pompöse Architektur etwas zu kompensieren, habe ich mich beim Interior für zeitgenössische und nüchterne Akzente entschieden. Ich folgte dabei dem wertvollen Rat meines Freundes Andrew Trotter, einem britischen Innenarchitekten. Er half mir dabei, in Italien, Portugal, Spanien und England die richtigen Möbel zu finden. Meist sind es Stücke aus den 50er- und 60er-Jahren. Andrew hat Numeroventi auf ganzer Linie inspiriert“, verrät Rampolla. „Die Idee eines Ortes, der dem kreativen Austausch gewidmet ist, stammt aus seiner Philosophie eines offenen Hauses.“

Trotter öffnete zuvor selbst Tür und Tor zu seinem Haus in Barcelona, um Kunst, Design und gemeinsame Essen unter einem Dach zu vereinen und einen Ort der Begegnung für Gleichgesinnte zu schaffen. „Ich habe Andrew bei einer Veranstaltung kennengelernt, die in seiner Wohnung stattfand. Eine Sushi-Party mit Konzert. Auf den Sofas und über die Zimmer verteilt saßen die unterschiedlichsten Menschen. Das war etwas merkwürdig, aber gleichzeitig sehr interessant. Warum also nicht in Florenz so etwas starten? Anfangs hatte ich Angst, dass es schwierig werden würde … Aber ich habe es dann einfach ausprobiert, ohne zu wissen, wie das Experiment ausgehen würde. Schließlich hatten wir den Platz! Wir mussten lediglich die Räume arrangieren und etwas daraus machen.” So konzipierten und organisierten Rampolla und Partner im vergangenen März eine erste Kunstausstellung im Palazzo: Arbeiten der japanischen Künstlerin Harumi Matsumoto aus 30 Jahren. In diesen zwei Wochen Teamwork entstand schließlich die Idee für gleich mehrere öffentlich zugängliche Workshops. „Der Erfolg hat jegliche Erwartungen übertroffen! In einer ungezwungenen Atmosphäre fällt es leichter, spontan Kontakte zu knüpfen. Wir haben damit den Nagel auf den Kopf getroffen!“, freut sich Rampolla. Nun ist die Testphase vorbei. Er und sein Partner Alessandro, die beiden Köpfe hinter Numeroventi, haben ihre Erfahrungen gesammelt und entwickeln sich derzeit zu einer Agentur für kreative Talente. Sie haben eine Art Retreat für Künstler und Designer geschaffen. „Wir selektieren nach Stilen, die uns gefallen, und bieten den Menschen einen Raum der Zusammenarbeit, eine Residenz und eine maßgeschneiderte Kommunikationsunterstützung. Auf dieser Basis entstehen ganze Kollektionen, die produziert und online vermarktet werden können. Und der Flow ist kontinuierlich. Inzwischen hat sich ein komplettes Netzwerk um Numeroventi herum entwickelt. Eine Mischung aus nationalen und internationalen kreativen Talenten. Touristen, die Florenz besuchen, schauen auch gerne bei uns vorbei.“

Rampolla hat derweil auch seine privaten Räume erweitert. Hinzugekommen sind eine große Küche, Wohnzimmer, Arbeitsräume und Gästezimmer. „Hier ist alles stetig in Arbeit. Im Moment denke ich darüber nach, ins Erdgeschoss zu ziehen … Es gibt auch noch eine weitere renovierungsbedürftige Etage.“ Räume mit Blick auf die Dächer der florentinischen Renaissance, den Künstlern und ihrer Kreativität überlassen. Traumhafte Aussichten!