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In den Dünen Omahas

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Fotos: Patrick Reynolds, Text: Daphna Ute Wildemann

Eine sanft hügelige Dünenlandschaft kuschelt sich wie eine Decke um das Haus in Omaha, das sich nach Osten weit zum Meer öffnet. Bühne frei für die beste Drehbuchschreiberin der Welt: die Natur. Die Regisseure der preisgekrönten Inszenierung: die Architekten Jeff Fearon und Tim Hay.

Von der Askese der traditionellen „baches“, die Neuseeländer üblicherweise an malerischen Orten wie diesen bauen, ist in Omaha nichts mehr zu spüren. Anstelle der simplen Hütten aus Holz säumen heute anspruchsvolle Architektenhäuser die Ostküste im Norden Neuseelands – ein zweites Zuhause für viele Familien. 

Eine gute Stunde fährt man mit dem Auto von Auckland nach Omaha. Mitten in den Dünen, an einem langen Sandstrand am Hauraki Golf, liegt das Dune House. In Richtung Süden kann man die Küstenlinie des Tāwharanui Regional Parks erkennen. Im Norden beginnt das Leigh Marine Reserve, das zu Neuseelands Meeresschutzgebiet gehört. Und in Richtung Osten fällt der Blick auf Little Barrier Island, auch „Hauturu“ genannt, was „Ruheplatz der Winde“ bedeutet; ein Naturschutzreservat, das einst von den Māori besiedelt war. 

Omaha ist ein Paradies für alle, die das Leben am Meer lieben. Weißer Sandstrand. Saubere Luft. Kristallklares Wasser. Und Sonnenuntergänge, die Steine zum Schmelzen bringen. Das perfekte Setting also für die Bauherren, die sich von Fearon Hay „ein Haus am Strand, aber kein Strandhaus“ wünschten. Die Herausforderung: Die Architektur sollte sich so weit wie möglich dem Leben am Meer öffnen und zugleich der Tatsache Rechnung tragen, dass auch die umliegenden Grundstücke nach und nach bebaut und entwickelt werden würden. „Wir haben also weniger darüber nachgedacht, wie ein Strandhaus aussehen sollte, sondern vielmehr darüber, was der Bauherr von seinem neuen Domizil in puncto Licht, Komfort und Privatsphäre erwartet“, sagt Tim Hay. Die natürliche Schönheit des Hinterlandes auf der einen und der Strand auf der anderen Seite bilden die dramatische Kulisse für ein Haus, das Fearon Hay mit viel Feingefühl entworfen hat. Um Ausblicke auf benachbarte Häuser zu vermeiden, hüllten die Architekten das Dune House zu drei Seiten in eine Fassade aus halbtransparenten Glaspaneelen, die das Wolkenspiel am Himmel widerspiegeln. Das Haus ist auf 400 Quadratmetern formal strukturiert und umrahmt mit klaren, modernistischen Linien den Blick nach draußen. In der unteren Ebene der Villa sind eine Garage und eine Gäste-Suite untergebracht. Steigt man die Stufen zur oberen Ebene hinauf, betritt man eine eigene, geschlossene Welt. Das Dune House verströmt ein magisches Gefühl der Ruhe und des zurückhaltenden Luxus. Das Atrium mit Swimmingpool, Außenkamin und Essbereich öffnet sich durch eine raumhohe, faltbare Wand aus semi-opakem Glas in Richtung Wohnbereich. Eine zweite Wand auf der gegenüberliegenden Seite fährt gleichwohl vollständig zur Seite und lenkt den Blick über die Terrasse auf das Meer. Der offene Wohnraum beherbergt die Küche und einen Sitz- und Essbereich. Raffiniert kombinierten die Architekten maskuline Materialien wie Beton und Glas mit eher femininen wie Leinen und Messing; ein Metall, das mit der Zeit immer schöner wird. Absoluter Hingucker: die Küche. Das prominente Küchenelement ist eine Sonderanfertigung, die Fearon Hay mit poliertem, warm leuchtendem Messing überzogen haben. Die Front bricht das Tageslicht und spiegelt die Umgebung; etwas, das dem Raum eine zusätzliche Tiefe verleiht. Wie ein Kokon umspannen bodenlange Vorhänge aus Leinen den gesamten Wohnraum und verleihen ihm Textur und Intimität. Bei der Gestaltung der Innenräume arbeiteten Jeff Fearon und Tim Hay mit dessen Schwester Penny Hay zusammen, die etliche maßgeschneiderte Möbelstücke für das Dune House entwarf. Charmanter Bruch in dem Setting: der französische Kristalllüster über dem Esstisch, einer der Entwürfe von Penny Hay, den die Architekten prominent an der Fensterfront positionierten. Der Himmel in Neuseeland ist immer in Bewegung, und einer der spektakulärsten Aspekte dieses Hauses ist das Licht, das sich in der Glasverschalung bricht. „Es ist magisch, es verändert sich im Laufe des Tages bei Sonne und Schatten und nimmt noch einmal einen ganz anderen Charakter an, wenn am Abend die Sonne untergeht und alles drum herum in leuchtendes Orange und tiefes Pink taucht“, sagt Tim Hay. „Zugleich verleihen die Glaswände dem Haus auch einen rätselhaften Charakter, wie eine Kunstinstallation, die sorgfältig in den Dünen platziert wurde“, fügt er hinzu. 

Die Arbeit des renommierten Architekturstudios Fearon Hay in wenigen Worten zu skizzieren, ist nicht leicht. Versuchen wir es so: mutig und luxuriös, geerdet und dramatisch – das ist es, was die Architekten mögen und mit Bravour umsetzen. Allem voran geht es ihnen immer auch um die Geschichte, die ein Gebäude erzählen soll und darum, wie das Material diese mit Leben füllen kann. Mit dieser Art zu arbeiten konnte das Duo zahlreiche internationale Wettbewerbe für sich entscheiden. Auch das Dune House wurde mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem gewann es den World Architecture Award 2014 in der Kategorie Villa, war Finalist der New Zealand Architecture Medal 2014 und Gewinner der New Zealand Architecture Awards 2014. Jeff Fearon und Tim Hay arbeiten in ihren Studios in Auckland und Los Angeles.